Fußballverband Niederrhein e.V.
Kreis11 - Rees - Bocholt

Mehr Krimi geht nicht

Borussia Bocholt gewinnt den ARAG-Niederrheinpokal der Frauen

17.05.2018
12.05.2018
[Foto: M.Fuhrmeister]
[Foto: M.Fuhrmeister] -

Es waren nicht nur Freudentränen, die Dennis Kallwitz nach der Siegerehrung zu unterdrücken versuchte. Während seine Spielerinnen Sektduschen über sich und die mitgereisten Fans ergehen ließen, musste der Trainer der Frauen von Borussia Bocholt das Geschehene erst noch einsortieren: „Nach dreieinhalb Jahren ist für mich zum Sommer Schluss. Jetzt noch der Pokalgewinn… mir fehlen die Worte.“

Was Kallwitz mit den knapp 100 Zuschauern auf der Sportanlage des GSV Moers in den über zweieinhalb Stunden vorher erleben musste, war ein echter Pokalkrimi. Favorisiert gingen die Bocholterinnen ins Spiel. Während sie am letzten Spieltag noch ein Wörtchen um die Meisterschaft mitreden können, stehen die Moerserinnen im Abstiegskampf mit dem Rücken an der Wand. Doch der Pokal schreibt ja bekanntlich seine eigenen Gesetze. So auch im Finale um den ARAG-Niederrheinpokal.

Die Borussinnen legten gleich los wie die Feuerwehr. Alina Stallmann, quirlige Tempogeberein in der Offensive, prüfte direkt in der zweiten Spielminute die Moerser Schlussfrau Lisa Mölders. Und auch ein Distanzschuss aus 20 Metern verfehlte das Gehäuse der Gastgeberinnen in Minute drei nur knapp. Von Beginn an wollte das Kallwitz-Team klarmachen, wer spielerisch das Sagen hat, und begegnete der Moerserinnen mit frühem, aggressiven Pressing.

[Foto: M.Fuhrmeister]
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Es dauerte bis zur 13. Spielminute, bis die Platzherrinnen nach einem Missverständnis in der Borussinnen-Abwehr in Person von Jessica Roth das erste Mal vor dem gegnerischen Tor auftauchten. Doch auf beiden Seiten blieben die Abschlüsse in der ersten Hälfte zu ungenau. Erneut Alina Stallmann etwa, die nach einer Ecke in der 29. Minute aus 15 Metern mutig direkt abzog, den Ball aber weit übers Moerser Gehäuse schoss. Viel gefährlicher wurde es da nochmal in der 37. Minute, als Lisa Mölders einen Freistoß aus gut 30 Metern gerade noch entschärfen konnte.

Es war das erwartete Spiel. Während die Bocholterinnen ihre spielerische Überlegenheit auszuspielen versuchten, hielten die Moerserinnen mit Disziplin, Kampf und Leidenschaft dagegen. Vor allem die routinierte Abwehrchefin Patricia Michalak war es, die mit ihren 34 Jahren ein ums andere Mal gefährliche Situationen entschärfte.

Die Halbzeitansprache von Trainer Hasan Gören muss motivierend gewesen sein, denn nach dem Seitenwechsel traten die Moerserinnen mutiger auf. Mit drei aufeinanderfolgenden Eckbällen näherten sie sich zwischen der 53. und 57. Spielminute gefährlicher dem Tor der Blau-Weißen an. Doch auch im zweiten Abschnitt blieb es ein Spiel, das kaum klare Torchancen hervorbrachte. Mit die beste hatten noch die Borussinnen, die mit einem Freistoß aus 25 Metern das Tor nur knapp verfehlten (59.). Die Bocholterinnen liefen jetzt wütend gegen das Moerser Abwehrbollwerk an. Das brachte immer wieder Räume für Konter, mit denen die Gastgeberinnen in der 74. Spielminute auch fast erfolgreich waren, als sich Madeleine Schmidtke über halblinks durchsetzen konnte und gerade eben noch von Torhüterin Lara Wigger gestoppt werden konnte.

Aufregung dann nochmal kurz vor dem Abpfiff, als die Borussinnen das Spiel unbedingt noch in der regulären Spielzeit für sich entscheiden wollten. Nach einer Ecke kratzte Jessica Roth den Ball für die Moerserinnen gerade noch von der Linie, eine Minute später flog ein Freistoß aus halblinker Distanz zwei Meter am Gehäuse der Gastgeberinnen vorbei: Verlängerung.

[Foto: M.Fuhrmeister]
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Die wenigen Minuten bis zur Extraspielzeit nutzen die Spielerinnen zur kurzen Regeneration, ließen sich massieren, während beide Trainer sie nochmal richtig einpeitschten. „Wir müssen konsequent weiter pressen und unser Spiel durchsetzen, dann ist das Tor nur eine Frage der Zeit“, war sich Dennis Kallwitz sicher. Sein Gegenüber Hasan Gören appellierte an den Siegeswillen: „unsere Chance wird kommen, und dann müssen wir sie eiskalt nutzen.“

Doch beide sollten was die folgenden zwei mal 15 Minuten Minuten anging nicht Recht behalten.Und dass. Obwohl die Borussinnen nochmal an der Temposchraube drehten. Die Moerserinnen schienen mit einem Elfmeterschießen besser leben zu können als ihre Kontrahentinnen, die mit den Einwechslungen von Nele Szymkowiak und Maike Goting nochmal alles auf eine Karte setzten. Ihre Torhüterin hatten es die Gastgeberinnen in dieser Phase zu verdanken, dass sie nicht in Rückstand gerieten. Lisa Mölders klärte zweimal gekonnt vor der einschussbereiten Alessandra Vogel (94. und 116.). Doch auch die Moerserinnen hätten einnetzen können, als die Abwehr der Bocholterinnen in der 99. Minute gerade noch vor der einköpfbereiten Jessica Roth klären konnte.

[Foto: M.Fuhrmeister]
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Schlusspfiff, der Pokalkrimi ging auf die Zielgerade Elfmeterschießen. Und da war es am Ende das Quentchen Glück, das das Pendel mit 4:2 zugunsten der Borussinen ausschlagen ließ. Nach je einem vergebenen Elfmeter auf beiden Seiten war es auf der einen Seite Lisa Mölders, die zweimal die Ecke erahnte aber den Ball nicht abwehren konnte, auf der anderen Seite Lisa Wigger, die ein weiteres Mal hielt und letztlich Wiebke Terwege, die für Borussia Bocholt das Tor zum Niederrheinpokal und damit zur ersten DFB-Pokalrunde aufschoss.

Unter dem Strich zwar ein glücklicher, aber nicht unverdienter Sieg der Blau-Weißen, die über die gesamte Spielzeit hinaus das etwas aktivere und spielerisch bessere Team waren. „Wir wussten, es würde eine kräftezehrende und schwierige Aufgabe gegen eine enorm abwehrstarke Mannschaft geben“, resümierte Dennis Kallwitz. „Wir haben großen Respekt vor den Moerserinnen gehabt und uns vielleicht zu viel Druck auferlegt.“ Auch sein Gegenüber Hasan Göken zeigte sich „stolz auf die Leistung meiner Mannschaft“. Der Moerser Trainer sah „ein Spiel auf Augenhöhe“, bei dem am Ende „das Glück für Bocholt“ entschieden habe.

Über die Ziele für den DFB-Pokal will Wiebke Terwege, Schützin des entscheidenden Elfmeters, eigentlich noch nicht nachdenken: „Erstmal kommt das Saisonfinale. Aber die erste Runde überstehen wäre schon super. Und dann Bayern, Wolfsburg, Frankfurt oder Essen…, völlig egal“, strahlt die Bocholterin. Jetzt zähle nur eins: „Feiern, feiern, feiern!“ Und weiter: „Wir haben den Pokal auch ganz klar für unseren Trainer geholt.“

Der zog sich derweil ein Stückchen zurück und ließ den Spielerinnen das Bad in der kleinen Menge mitgereister Fans. Zurückhalten konnte er sie nicht mehr, seine Tränen. Und es waren nicht nur Freudentränen.

GALERIE

[Text & Fotos: M.Fuhrmeister | Layout: F.B/FVN]